Olafur Eliasson

WASSERfarben

07.06. – 02.09.2018

Zweifellos zählt der dänische Künstler isländischer Herkunft, Olafur Eliasson (*1967), zu den herausragenden Künstlern der Gegenwart. Wie kein Zweiter begeistert er mit seinen künstlerischen Großprojekten weltweit Menschen auch außerhalb der Museen. Die Zeichenkunst hat dabei in seinem alle Medien umfassenden Werk einen zentralen Stellenwert. Künstlerische Ideen werden zuerst in der Zeichnung festgehalten und während eines Projekts immer wieder zu Rate gezogen. Man gewinnt geradezu den Eindruck, dass Olafur Eliasson in der Zeichnung denkt. Doch sein Zeichenbegriff reicht darüber hinaus. Rein zeichnerische Überlegungen gehen bei ihm einher mit naturwissenschaftlichen und wahrnehmungstheoretischen Interessen, die in der Zeichnung ihren Niederschlag finden.
 

Without a doubt, Olafur Eliasson (b. 1967), a Danish artist with Icelandic roots, is among the most outstanding contemporary artists. Like no one else, he captivates people around the world as well as outside of museums with his large-scale artistic projects. At the same time, the art of drawing is of central significance in his work, which encompasses all media.
Artistic ideas are initially captured in a drawing, which is repeatedly consulted during a project. One almost has the sense that Eliasson thinks in drawing. However, his concept of drawing extends far beyond this. In his case, purely graphic considerations coincide with interests related to science or the theory of perception, which also make their mark on the drawings.

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Die Ausstellung

Mit der Ausstellung WASSERfarben stellt die Staatliche Graphische Sammlung München in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler erstmalig seine Zeichenkunst in einzelnen Werkgruppen von den frühen Tuschzeichnungen bis zu den jüngsten Gletschereisaquarellen aus Glacial landscape in ihren Facetten vor. „Die Fähigkeit zu zeichnen liegt einfach in der Hand“, sagt Olafur Eliasson im Gespräch zu der Entstehung seiner Zeichnungen Almost perfect circles. Diese Beobachtung eröffnet eine zeichnerische Denkwelt, in der ein konzeptueller Ansatz gleichwertig neben einer gestisch-spontanen Herangehensweise stehen kann.

The Exhibition

In close collaboration with the artist the Staatliche Graphische Sammlung München presents in the exhibition WATERcolours the many facets of his drawing oeuvre for the first time, by means of individual groups of works ranging from the early ink drawings to the most recent glacial-ice watercolours from Glacial landscape. ‘The ability to draw simply lies in the hand’, said Eliasson during a conversation in connection with the creation of his drawings Almost perfect circles. This observation reveals a graphic world of thought in which a conceptual method can stand on equal terms alongside a gesturally spontaneous approach.

Die Ausstellung WASSERfarben gibt Einblicke in diese unkonventionelle Art zeichnerischen Denkens und stimmt mit dem Ausstellungstitel auf die komplexe künstlerische Welt Olafur Eliassons ein, in der die Elemente Wasser und Farbe als zentrale Werkstoffe seines Œuvres weit mehr sind als einfach nur Wasserfarben. Die kuratorische Idee ist es, ausgehend von der Zeichnung deren enge sinnliche und konzeptuelle Kongruenz mit seiner installativen Kunst für den Betrachter sichtbar und nacherlebbar zu machen.

The exhibition WATERcolours provides insights into this unconventional form of graphic thinking: the show’s title helps attune us to the complex artistic world of Eliasson, in which the elements water and colour – as central working materials in his oeuvre – are far more than just watercolours. Using drawing as the point of departure, the curatorial idea is to enable viewers to see and vicariously experience the drawings’ close sensory and conceptual relationship with his installation art.

Kuratorenführungen

DO 21.06. | 19.07. | 30.08.2018 um 18.30 Uhr, Dr. Michael Hering

DO 14.06. | 26.07. | 23.08.2018 um 18.30 Uhr, Dr. Franziska Stöhr

Begrenzte Teilnahme / Anmeldung und Erhalt der Teilnehmermarke ab einer Stunde vor Beginn an der Information

Ort: Pinakothek der Moderne

Besuch der Ausstellung

Öffentliche Führungen

Ort Pinakothek der Moderne

Hinweise entnehmen Sie bitte dem tagesaktuellen Programm der Pinakothek der Moderne.

Programm Pinakothek der Moderne

Private Führungen

Ort Pinakothek der Moderne

Gerne vermitteln wir Ihnen einen Guide für Ihre private Führung. Informationen erhalten Sie auf der Website der Pinakothek der Moderne oder unter Tel. +49 (0) 89 238 05 - 284.

Zur Kunstvermittlung

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine limitierte Buchedition, die weniger ein klassischer Leitfaden durch die Ausstellung ist als das Skizzenbuch einer künstlerischen Ideenwelt. Sie ist ein Angebot des Kurators, Eliassons komplexe Fragen zur Wahrnehmung und seine empirischen Untersuchungen auf dem Feld eines erweiterten Zeichnungsbegriffs sinnlich zu erleben. Der Katalog taucht in die geradezu alchemistische Atmosphäre von Eliassons Werkstatt ein.

Die Buchedition auf exquisiten Papieren hat Faksimilecharakter. Sie ist exklusiv bei der Staatlichen Graphischen Sammlung München zu erwerben und kostet 125 €.

Catalogue

A limited book edition is published on the occasion of the exhibition. It is not so much a traditional guide through the exhibition as a sketchbook of an artistic world of ideas. It is the curator’s invitation to sensually experience Eliasson’s complex questions related to perception and his empirical investigations in the realm of an expanded concept of drawing. The catalogue immerses itself in the almost alchemical atmosphere that hangs in the air of Eliasson’s studio.

The book edition is printed on exquisite paper and has the character of a facsimile. It can be purchased exclusively at the Staatliche Graphische Sammlung München and costs 125 €.

Auszug aus dem Gespräch zwischen Michael Hering und Olafur Eliasson (Berlin, April 2018), Erstveröffentlichung in der Begleitpublikation zur Ausstellung

Michael Hering: Ich möchte an dieser Stelle auf Ihre Zeichnungen zu sprechen kommen. Ihre konzeptuelle Serie Almost perfect circles erprobt freihändig die Vorstellung von einer klassischen Meisterzeichnung an dem Ideal eines perfekten Kreises. Welche Bedeutung hat diese Serie für Sie?

Olafur Eliasson: Ich zeichne seit Jahrzehnten. Für mich hat das Zeichnen damit angefangen, dass ich als Kind meinem Vater imponieren wollte. Kurz gesagt, ich habe die Blätter immer bis zum Rand ausgemalt. Ich wollte ihm zeigen, dass es auf dem Papier keinen weißen Flecken mehr gibt. Das war für mich eine perfekte Zeichnung. Dann gab mein Vater mir einen Ratschlag, der wie ein Geschenk war. Er hat eines Tages zu mir gesagt, dass es viel zu lange dauere. „Mach’ einfach ganz viele Kringel, das heißt einfachste Kreise, auf dem Papier, und wenn du eine Katze malen willst, dann musst du die Katze auf dem Papier einfach nur suchen.“ Heute verstehe ich, dass seine Sicht ziemlich genial war. Ich habe dann tatsächlich hunderte von Zeichnungen gemacht, in denen ich ein Haus, eine Katze oder ein Fahrrad in den Kringeln gefunden habe. Das wäre auch ein Tipp für die Eltern von heute, wenn sie ihre Kinder zum Zeichnen ermuntern wollen.

Almost perfect circle no. 16, 2016 Bleistift auf Papier / Pencil on paper 62,5 × 47 cm Neuerwerbung / New acquisition 2018 Staatliche Graphische Sammlung München Schenkung / Donation by Ruth Müller-Stein, Stiftung der Pinakothek der Moderne // Weitere Bilder, von oben nach unten: The absent sun, 2014 © 2014 Olafur Eliasson / Your unpredictable sameness, 2014 © 2014 Olafur Eliasson / Blatt der 35-teiligen Serie Studio sketches, 2015 © 2015 Olafur Eliasson / Life is lived along lines, 2009 © 2009 Olafur Eliasson

Excerpt from the conversation between Michael Hering and Olafur Eliasson (Berlin, April 2018), first publication in the accompanying catalogue of the exhibition

Michael Hering: I’d like to talk about your drawings at this point. Your conceptual series Almost perfect circles is a freehand exploration of the notion of a classic master drawing using the ideal of a perfect circle. What significance does this series have for you?

Olafur Eliasson: I’ve been drawing for decades. For me, drawing began with wanting to impress my father when I was a kid. In short, I always coloured in the paper all the way to the edge. I wanted to show him there weren’t any more white spots left on the page. That was a perfect drawing for me. Then my father gave me a piece of advice that was like a gift. One day, he told me that it took way too long. ‘Just make a bunch of loops – that is, circles of the simplest kind – on the paper, and, if you want to draw a cat, then you just have to look for the cat on the paper.’ Today, I understand that his perspective was quite brilliant. Then I really did make hundreds of drawings where I found a house, a cat, or a bicycle in the loops. That would also be a good tip for today’s parents, if they want to encourage their children to draw.