DANA SCHUTZ
Trouble and Appearance
10.07.2026 – 04.10.2026

Zweifellos zählt das Werk der in New York lebenden amerikanischen Künstlerin Dana Schutz (*1976) seit mehr als zwei Jahrzehnten international zu den beeindruckenden Positionen der jüngeren figurativen Malerei. Immer wieder aufs Neue gelingt es der Malerin, uns mit ihrer stimmgewaltigen Bildsprache in ihre kompositorisch dichten Gemälde hineinzulocken – auf dass wir uns in den fantastischen Welten voller Rätsel und Allegorien verlieren. Auf den ersten Blick wirkt es, als seien die Bildthemen weit entfernt von unserer Lebensrealität. Der Schein aber trügt, und genau darin liegt die subversive künstlerische Stärke. Mit der ihr eigenen spielerischen Leichtigkeit halten uns Dana Schutz‘ Bildgeschichten den Spiegel unseres Daseins vor Augen. In den euphorischen Farbwirbeln ihrer Malerei präsentieren sich kleinere sowie größere Missgeschicke und sogar Tragödien verkleidet als moderne Mythen. Sie werfen Fragen auf, die beantwortet werden wollen.

Parallel zu ihrem malerischen Werk reflektiert Dana Schutz ihre Bildgeschichten schon immer in druckgraphischen Serien. Ihr virtuoser und innovativer Umgang mit verschiedenen graphischen Techniken erlaubt es ihr, ein Bildmotiv in unterschiedlichen künstlerischen Medien durchzuspielen, die gefundene Bildlösung zu reflektieren und zu neuen kompositorischen Lösungen zu finden. Oftmals überdenkt sie das Motiv in der Druckgraphik und justiert es inhaltlich neu aus. Selten hat man die Gelegenheit, pulsierende künstlerische Innovationskraft so unmittelbar mitzuerleben. In ihren jüngsten großformatigen druckgraphisch-delikaten Monotypien untersucht Dana Schutz menschliche und zwischenmenschliche Zustände des Seins. Ihr malerischer Gestus schweift dabei zuweilen soweit aus, dass sich die Bilderzählungen in abstrakte Farbexzesse auflösen.

Für ihr Münchner Debut in der Staatlichen Graphischen Sammlung rückt Dana Schutz erstmals ihre Zeichnungen in den Fokus. Nie zuvor hat eine Ausstellung in dieser hohen Konzentration Skizzen, Studien und Vorzeichnungen zu ihrem malerischen Werk präsentiert. Sicher ist, dass Dana Schutz sich mit ihren neusten Werken auf Papier selbst übertroffen hat und wir einen seltenen Blick auf ihre Meisterzeichnungen erhalten. Ihre großformatigen, einzig mit Kohle gezeichneten Papierarbeiten erinnern nicht von ungefähr an die Murals, die flächenfüllenden Wandbilder der amerikanischen Avantgarden, allen voran die der Abstrakten Expressionisten der New York School, in die man als Betrachter eintaucht. In München feiern Dana Schutz‘ zeichnerische Murals ihre Weltpremiere.

Mit diesem Projekt erörtert die Staatliche Graphische Sammlung München zum wiederholten Mal die Frage nach dem Stellenwert der Zeichenkunst im 21. Jahrhundert als Impulsgeberin innerhalb der bildenden Künste und befragt ihre Rolle als existenzielle Ausdrucksform menschlichen Intellekts und seiner Schöpfungskraft. Auf das Schönste demonstrieren Dana Schutz‘ Meisterblätter im Zusammenspiel mit ihrer Malerei, dass die Innovationskraft der Zeichenkunst nichts von seiner Vitalität verloren hat.

Dana Schutz, Catcher, 2026, Kohle auf Papier, 274,3 x 548,6 cm, Courtesy the artist, Contemporary Fine Arts, Berlin – Basel, and David Zwirner, Foto: Kerry McFate
Dana Schutz, Eaters, 2026, Aquarell-Monotypie mit handschriftlichen Ergänzungen in Gouache und Kreide auf Lanaquarelle-Papier, 126,7 x 101 cm, Courtesy the artist, Two Palms, Contemporary Fine Arts, Berlin - Basel, and David Zwirner, Foto: Stephen Arnold
Dana Schutz, Trouble and Appearance, 2018, Radierung mit Aquatinta, Bild: 91,4 x 60 cm, Papier: 109,9 x 77,8 cm, Courtesy the artist und Two Palms, NY

Doubtlessly the oeuvre of New York based American artist Dana Schutz (born in 1976) internationally has been marking for more than two decades one of the most impressive positions in recent figurative painting. With her resonant imagery she continuously succeeds in drawing us into her compositionally intense paintings – making us loose ourselves in fantastic worlds full of mysteries and allegories. At first glance it seems as though her imagery is far removed from our everyday experience. However, this appearance is misleading and therein precisely lies its subversive artistic strength. Dana Schutz’s pictorial narratives, with their very own playful lightness, hold up the mirror of our existence before our eyes. In the euphoric swirls of her paints minor and major mishaps and even tragedies dressed as modern myths present themselves posing questions that beg to be answered.

In parallel to her paintings, Dana Schutz has always reflected on her pictorial narratives in her print series. Her virtuoso and innovative handling of different graphic techniques allows her to explore a certain image in various artistic media, to reflect on the results, and to find new compositional solutions. Often she will revisit a motif in her prints and modify it thematically. Rarely do we get the chance to experience this closely pulsating artistic innovations. In her most recent large-scale delicate monotypes Dana Schutz explores human and interpersonal states of being. At times, her painterly gestures become so extreme that her narratives dissolve into abstract extravaganzas of paint.

In her Munich debut at the Staatliche Graphische Sammlung, Dana Schutz for the first time places the focus on her drawings. Never before did she present sketches, studies, and preparatory drawings in such high density in an exhibition. Surely, in her latest works on paper Dana Schutz has outdone herself permitting us a rare glance of her master drawings. Her large-scale drawings in charcoal on paper are reminiscent, for good reason, of murals of the American avant-gardes, foremost among them the Abstract Expressionists of the New York School that draw us in. In Munich, Dana Schutz’s mural drawings celebrate their premiere.

With this project the Staatliche Graphische Sammlung once more explores the position of the art of drawing in the twenty-first century as a driving force within the fine arts and questions drawing’s role as an existential mode of expression of human intellect and creative powers. Superbly, Dana Schutz’s master drawings demonstrate in the interplay with her paintings that the innovative powers of the art of drawing have lost none of their vitality.